International House Berlin - Newsletter

Berlins Unterwelt / Underworld


Wenige europäische Großstädte können sich eines mehr als hundert Jahre alten U-Bahn- und Abwasserkanal-Systems rühmen; London, Paris und Berlin gehören dazu. In Berlin gibt es den Verein Berliner Unterwelten, der einige große unterirdische Bauten restauriert hat, wie zum Beispiel Luftschutzkeller, ABC- Schutzbunker und Militäranlagen.

 

Ausgehend vom zentralen Fahrkarten-Schalter am U- und S-Bahnhof Gesundbrunnen führen fünf verschiedene Touren in die Stadt unter der Stadt. Der Englisch sprechende Reiseführer war sehr kompetent und wusste uns viel (oft Abstruses) über die Hintergründe zu erzählen – so etwa über den mangelhaften Schutz, den die Bunker boten, oder die lächerlich geringe Zahl an Plätzen in den Schutzräumen.

 

Luftmangel etwa hätte allen Schutz Suchenden bald Probleme bereitet. Drei Kerzen sollten auf verschiedenen Raumhöhen postiert werden, eine auf dem Boden, eine auf Hüft- und eine auf Schulterhöhe. Wenn die unterste Kerze ausging, sollten die Eltern ihre Kinder auf den Schoß nehmen. Beim Erlöschen der zweiten Kerze sollten sie sich hinstellen und ihre Kinder hoch halten. Wenn auch die dritte Kerze ausgegangen wäre, sollten alle den Bunker verlassen und draußen ihr Glück versuchen –  besser, man hat oberirdisch zumindest eine theoretische Chance, die Bomben zu überleben, als unter der Erde todsicher zu ersticken.

 

Aus dem gesamten Stadtgebiet hat der •Verein Berliner Unterwelten unterschiedlichste Gegenstände zusammengetragen. Bei einem geführten Rundgang durch das Museum erhält man Infos zu allen Objekten und oft auch persönliche Geschichten zu früheren Besitzern. In den Schaukästen finden sich Waffen, Bombenhülsen, ein künstliches Gebiss, und sogar zwei (unbenutzte) Kondome aus Militärbeständen. Dieser Gang durch die Berliner Unterwelten präsentierte uns eine Seite der Stadt, die man für gewöhnlich nie zu sehen bekommt und ermöglichte auch einen Einblick, wie ein Teil der Deutschen den Zweiten Weltkrieg und den anschließenden Kalten Krieg erlebt haben.

 

There are a few major European cities famous for their underground train and sewer systems dating back over a hundred years: London, Paris and Berlin amongst them. In Berlin there’s a society called Berliner Unterwelten which has restored a number of the city's major underground structures, including bomb shelters, fall-out bunkers and military sites.

 

From their main ticket office at Berlin’s Gesundbrunnen station, five different tours set out into the city beneath the city. The English speaking guide we had really did a great job in highlighting the (often ridiculous) background behind the bomb-shelters – they didn’t really provide that much protection and were built with shockingly low capacities.

 

Air would have been a big problem for anyone sheltering there. Three candles were placed in the rooms, one at floor level, one at waist level and one at shoulder height. When the lowest candle went out, parents would hoist their children onto their laps. As the second candle died they would stand and hold their children up. If the last candle extinguished, everyone would have to leave and take their chances outside – better to run the risk amongst the bombs than die of suffocation beneath ground.

 

Berliner Unterwelten has collected objects and artefacts from all over the city. Touring their museum with a guide means that every item is illuminated and often the true, personal stories behind the objects are revealed. There are weapons, bomb shells, false teeth and even two (unused) military issue condoms in displays that fill a number of the shelter’s rooms.

It was definitely a side of a city that you don’t often get to see, and a way to gain an insight into the way some Germans experienced the Second and Cold Wars.